03.09.2014
Mit 70 Jahren noch auf der Überholspur
Frankfurt (MOZ) Frankfurt hat einen neuen Weltmeister: Der 70-jährige Radsportler Reinhard Scheer vom FRC 90 gewann bei den Masters in St. Johann in Tirol in seiner Altersklasse den Titel im Einzelzeitfahren sowie im Straßenrennen. Sein Mannschaftskollege Thomas Kapuste holte den Radweltpokal und Bronze bei der WM.

"Man sieht ihnen ihr Alter gar nicht an", ist eine häufig verwendete Floskel. Doch im Fall von Reinhard Scheer passt dieser Satz nicht nur auf rein äußerlich, auch in Sachen Sportlichkeit und Fitness ist er im Vergleich zum Großteil seiner Altersgenossen wohl um mehrere Jahrzehnte jünger. Wenn er mit seinen 70 Jahren auf dem Fahrradsattel sitzt, würde ihn wohl niemand auf sein tatsächliches Alter schätzen.
Dass er auch nicht nur in der Region, sondern auch international auf der Überholspur fährt, bewies Scheer in der vergangenen Woche einmal mehr beim Masters Cycling Classic. Die traditionell in St. Johann in Tirol ausgetragenen Wettkämpfe sind die Weltmeisterschaften der verschiedenen Altersklassen; Scheer ging bei den 70- bis 74-Jährigen an den Start und holte sich im Straßenrennen seinen Titel wieder, den er vergangenes Jahr verloren hatte.
Dabei waren die Bedingungen alles andere als gut: "Es gab Regen und Wind bei gerade einmal 13 Grad", berichtet er. Doch im Sprint hatte Scheer nach 40 Kilometern die schnelleren Beine. Auch beim Einzelzeitfahren war er der Schnellste und benötigte für die 20 Kilometer lange Strecke lediglich 28:21 Minuten, was einem Schnitt von mehr als 43 km/h entspricht.
Seit Mitte der 1990er-Jahre geht Scheer bei den jährlichen Masters an den Start und gewann seitdem elf WM-Titel. "Da sind Fahrer aus der ganzen Welt dabei. Man sieht sich teilweise über Jahre immer wieder, daher sind auch Freundschaften entstanden. Für mich ist das gelebte Völkerverständigung", sagt er. Wie lange er noch im Sattel sitzen möchte, weiß er derzeit nicht. "So lange es noch Spaß macht und ich mich motivieren kann, mache ich weiter."
Im Schnitt 300 bis 400 Kilometer sitzt der einstige Polizist pro Woche auf dem Fahrrad, über das Jahr verteilt kommen etwa 18 000 Kilometer zusammen. "Am liebsten fahre ich durchs Schlaubetal. Das ist landschaftlich abwechslungsreich und einige Hügel gibt es auch." Echte Berge wie in Tirol vermisst er allerdings schon. "Auf der Strecke in Tirol gibt es Steigungen von bis zu elf Prozent. Da brennen die Oberschenkel", erzählt Reinhard Scheer.
Weniger beliebt sind Berge hingegen bei Thomas Kapuste. Der 49-Jährige fährt ebenfalls beim FRC 90 und holte beim Straßenrennen in St. Johann den Radweltpokal in seiner Altersklasse. Nach 112 Kilometern setzte sich der Frankfurter im Sprint gegen insgesamt 45 Konkurrenten durch und erreichte nach 2:43:05 Stunden das Ziel. "Das war ein hartes Stück Arbeit. Hinzu kommt, dass ich eigentlich Bahnradfahrer bin und Einzelzeitfahren auf der Straße nicht mein Ding ist", erklärt Kapuste. Daher konzentrierte er sich auf die beiden Straßenrennen. Und das mit Erfolg: Beim WM-Rennen erreichte er als Dritter das Ziel und holte somit wie 2011 an gleicher Stelle Bronze. Der Europameistertitel auf der Straße im Juni dieses Jahres in Caserta (Italien) war also keine Eintagsfliege.
Doch viel wichtiger als die beiden Medaillen ist Thomas Kapuste die Vorbereitung auf die Bahn-WM, die im Oktober traditionell in Manchester ausgetragen wird. Dort sicherte sich der frühere Verfolgerspezialist 2011 den Titel im Scratch. Diesen möchte er sich in diesem Jahr gerne wieder zurück holen. Neben Talent und viel Fleiß hat er dabei ein eigenes Erfolgsgeheimnis: "Man muss sich vor und während des Rennens vorstellen, wie man als Erster durchs Ziel fährt und auf dem Siegerpodest steht. Das kitzelt die letzten Prozente heraus", sagt Kapuste voller Vorfreude auf die kommenden


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