11.07.2015
36. Internationale Oderrundfahrt 2015

Frankfurt (Oder) (MOZ) Mitreißende Sprints, wenige Stürze, viel Applaus: Die 4. Etappe der Oderrundfahrt um den Güldendorfer Bergpreis wurde zum Volksfest. Bevor die Elite-Fahrer an den Start gingen, stritten die Radsportler im Jedermann-Rennen über 15 Runden (52,5 km) und bei den Schülern U15 über zehn Runden (35 km) um die Plätze.
Da fahre ich nur mit angezogener Handbremse runter", meinte Gerhard Tietz am Sonnabend lachend. Dabei zeigte der 76-jährige Güldendorfer auf den Hohlweg, keine zwanzig Meter von seinem Haus entfernt. Der Hohlweg wurde eine Art Scharfrichter auf dem 3,5 Kilometer langen Rundkurs vom Start/Ziel in der Seestraße in Richtung Buschmühlenweg. Von dort rollten die Renner über die Weinberge hinauf zum Hohlen Grund. Ein Anstieg bis zu 15 Prozent, der "Körner" kostete. Dann der Hohlweg mit seinem Kopfsteinpflaster. Schütteleinlagen pur. "Die Strecke steckt voller Tücken. Eine sehr profilierte Etappe", lobte Rundfahrt-Chef Dan Radtke den Kurs. Zum dritten Mal in Folge ist er Bestandteil der Oderrundfahrt, kämpften dort die Straßensportler zwischen zwölf und 65 Jahren, im Mittelpunkt die abends startenden Elite-Fahrer, um Plätze und Punkte. Im vorigen Jahr, erinnerte Radtke, lag auf dem Güldendorfer Kurs jede Menge Blütenstaub. Plötzlich nieselte es. Die Huckelstraßen wurden glatt. Es gab viele Stürze. Diesmal hatte ein Landregen alles weggespült. Kaum einer der hartgesottenen Velo-Fahrer landete auf dem Hosenboden.

Gerhard Tietz, der sich mit einem Schwarz-Rot-Gold-Kettchen geschmückt hatte und am Straßenrand in eine Flaschen-Tröte blies, fand es toll, dass auf dieser Rundfahrt immer wieder auch der Radsport-Nachwuchs die Chance hat, "zu zeigen, wo der Hammer hängt". Gemeint war unter anderem Anouk Wegener. Die Zwölfjährige aus Dolgelin wird beim Frankfurter Radsportclub 90 (FRC) von Frank Hoffmann trainiert. "Ich bin zweimalige Landesmeisterin. Aber auf der Bahn", erzählte das Mädchen mit den langen Haaren schüchtern. Vater Sirko (42) ergänzte: "Anouk probierte sich erst in der Leichtathletik. Bei der Talentiade in Frankfurt hat sie ihr Herz für den Radsport entdeckt. Wir unterstützen sie, wie wir nur können." Über zehn Runden wurde Anouk in 1:19:53 Stunden 64. - Teamkollege Roman Duckert landetete in diesem Rennen als bester Frankfurter in 1:02:27 auf dem fünften Platz.

Der 53-jährige Frank Hoffmann, der sein Brot als Sportlehrer verdient und ehrenamtlicher Trainer beim FRC 90 ist, hat Anouk Wegener fit für die Sportschule gemacht. "Nach den Sommerferien zieht sie ins Frankfurter Internat", erzählte Hoffmann im Etappenort Güldendorf. Seit 2002 ist der ehemalige Leichtathlet Trainer im Bereich U11 bis U15. Neben Anouk wurden noch zwei weitere seiner Schützlinge zur Sportschule delegiert. Dan Radtke stolz: "Auf unsere Ehrenamtlichen ist Verlass."

Auch mancher Oldie zeigte in Güldendorf, was er noch drauf hat. Thomas Kapuste zum Beispiel. Der einstige DDR-Auswahlfahrer auf der Bahn hatte dem Leistungssport vor Jahren adé gesagt, wurde "ein dickes Ding" und hatte, wie die Renner sagen, eine Pfannkuchen-Form. "Also gar keine", meinte der Frankfurter damals. Nach 13 Jahren Pause tauchte 2005 der Name Thomas Kapuste wieder in Ergebnislisten auf. Er - 1985 WM-Vierter und 1986 WM-Vize für die DDR in der Mannschafts-Verfolgung - heimste seitdem viele Siege ein. In Güldendorf wurde Kapuste beim Jedermann-Rennen nach 15 Runden (52,5 km) in 1:29:44 Stunden 22. - völlig ausgepumpt. "Mehr war nicht drin", meinte der 49-Jährige kurz. Viel, viel Jüngere rasten vor ihm ins Ziel. Die Etappe gewann Uwe Kieft (OSC Cyclingteam Potsdam/1:25:46) vor dem Frankfurter Dennis Vögeding (FRC 90/1:26,04) und Matthias Geue (Tacx Racing Germany/1:26:09).

Für Güldendorfs Ortsbürgermeisterin Brunhild Greiser war der Sonnabend "ein voller Erfolg. Wir hatten viel Spaß und sahen tolle sportliche Erfolge". Das Stadtfest "Bunter Hering", fügte Wehrleiter Thomas Walter an, habe die Zahl der Zuschauer am Kurs zwar dezimiert. "Aber die, die da waren, sorgten für ordentlich Stimmung."


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