17.12.2016
Vogel fliegt zum Weltrekord
Von Jürgen Leibner
Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie hat es getan! Olympiasiegerin Kristina Vogel hat am Sonnabend auf der Radrennbahn in der Oderlandhalle den Weltrekord im 500-Meter-Zeitfahren verbessert. Es war das Highlight des 9. Frankfurter Kreisels und der deutschen Mehrkampf-Meisterschaften, die mit den Titelgewinnen von Maximilian Beyer und Anna Knauer endeten.
20.48 Uhr zeigten die Uhren, als am Sonnabend in der Frankfurter Oderlandhalle Radsport-Historie geschrieben wurde. Die kräftigen Oberschenkel bis zum Bersten gespannt, wuchtete Kristina Vogel mit letzter Kraft ihre schwarze Rennmaschine über den Zielstreifen – und im selben Augenblick leuchteten auf der kleinen elektronischen Anzeige unter dem Hallendach die Ziffern 28,970 auf. Weltrekord!

Mit einem lauten „Juuuhuuu!!!“ schrie die Sprint-Olympiasiegerin ihre Freude über das geglückte Vorhaben heraus, begleitet vom Jubel der knapp
1000 Zuschauer, die es da sowohl auf der Tribüne als auch im Innenraum schon längst nicht mehr auf den Sitzen gehalten hatte. Die alte Bestmarke der Russin Olga Streltsowa vom
30. Mai 2014 auf der Olympiabahn von Moskau-Krylatskoje (29,234) war regelrecht pulverisiert. Als erste Frau der Welt hat Kristina Vogel für die 500 Meter mit fliegendem Start weniger als 29 Sekunden benötigt.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell sein kann, Wahnsinn“, sagte Vogel und rang nach der Rekordfahrt verständlicherweise nach Luft. Und ein erster Dank ging sofort an ihren Auswahl-Kollegen Maximilian Levy. „Er hatte vor einer Woche die Idee für den Rekordversuch, mich mehr oder weniger dazu überredet“, erzählte das kleine Kraftpaket aus Erfurt und gab dem Cottbuser einen dicken Kuss. „Na, hat sich doch gelohnt“, grinste Levy und ließ offen, was er damit meinte. Wenig später durfte auch er sich als Gewinner des Sprint-Turniers feiern lassen.

„Das ist für uns ein ganz besonderer Moment“, freute sich Kreisel-Organisator Dan Radtke vom gastgebenden FRC 90. „Jetzt hat Frankfurt (Oder) eine Weltrekordbahn. Das ist wunderbar und wird die Piste weiter populär machen.“ Die erste Weltrekordfahrt auf dem 250 Meter langen Holzoval, das erst vor zwei Jahren für rund drei Millionen Euro komplett erneuert und internationalen Ansprüchen angepasst wurde, wird eine entsprechende Würdigung finden. „Da lassen wir uns schon was Ordentliches einfallen“, versicherte Radtke.

Vorausgesetzt, der Rekord wird durch den Radsport-Weltverband offiziell anerkannt. „Aber da sollte es keine Probleme geben“, meinte Kommissär Alexander Donike. „Alles war perfekt vorbereitet. Der Anerkennung dürfte nichts im Wege stehen. Allerdings dauert das ganze Prozedere meist zwei, drei Monate.“

Natürlich überstrahlte der
„Vogel-Flug“ alles andere. Doch die Rennen der Mehrkämpfer um die deutschen Meistertitel im Omnium waren nicht weniger spannend. Bei den Männern lieferten sich Nico Heßlich, Sohn des einstigen Sprint-Olympiasiegers Lutz Heßlich aus Cottbus, und der Berliner Auswahlfahrer Maximilian Beyer ein packendes Duell, das nach vier Disziplinen erst mit dem letzten Spurt entschieden wurde. „Hut ab vor Nicos Leistung. Er ist ja Einzelkämpfer, ich hatte starke Teamkollegen an der Seite“, sagte Beyer. Für ihn ist es das zweite Meistertrikot im Mehrkampf. Hinter Leif Lampater belegte Titelverteidiger Roger Kluge Rang 4 und war damit „restlos zufrieden“. Das konnte auch Frauen-Siegerin Anna Knauer von sich sagen. „Mein dritter Titel in Folge – was will ich mehr?“, fragte die Bayerin.


<< zurück